Warum Kugelschreiber tödlicher sind als Schusswaffen

Partner der German Rifle Association

Die Deutschen Versicherer schrieben diese Woche über gefühlte Risiken und verglichen dabei Schusswaffen mit Kulis. Das Meme dazu erhielt sowohl große Aufmerksamkeit, wie auch unberechtigten Zweifel an den Daten.

Schusswaffe oder Kuli – wovor haben Sie mehr Angst? Klare Sache, sagen Sie. Längst nicht so klar, wie Sie denken. Denn der Unterschied zwischen gefühlten und realen Risiken ist größer als gedacht.

70 zu 300. So lautet die nüchterne Bilanz, die zumindest die Frage beantwortet, wovor Sie im direkten Vergleich mehr Angst haben sollten. 300, so hoch ist nämlich die Zahl der Menschen, die Jahr für Jahr hierzulande sterben, weil sie Teile eines Kugelschreibers verschluckt haben. Die Zahl derer, die einer Schusswaffe zum Opfer fallen, liegt hingegen bei 70 – sei bei manchen das gefühlte Risiko auch noch so groß.

Wenn es nun aber so viele Schusswaffen wie Kugelschreiber gäbe, mögen Kritiker anführen. Geschenkt, statistisch gesehen sind wir eigentlich alle tot, meinen Cord Balthasar und Thorsten Wiese, die die Statistiken zu Todesfällen und ihren Ursachen so kurios fanden, dass sie ein Buch darüber geschrieben haben. Nachvollziehbar. Oder hätten Sie gewusst, dass es 17.600-mal wahrscheinlicher ist, infolge eines Herzinfarkts zu sterben als bei einem Terroranschlag sein Leben zu verlieren?!

Logisch, nicht gegen alle Gefahren des Lebens kann man sich versichern. Wer sich schützen will, sollte bei den realen Risiken (Unfall, Tod, Berufsunfähigkeit, etc.) anfangen – und nicht durch die gefühlten Risiken verängstigt durchs Leben gehen.

GDV – Beitrag vom 7. April 2017

Gefühlte vs. echte Risiken: Warum Kugelschreiber tödlicher sind als Schusswaffen Quelle: www.gdv.de

Gefühlte vs. echte Risiken: Warum Kugelschreiber tödlicher sind als Schusswaffen
Quelle: www.gdv.de

Der Beitrag bezieht sich auf das Buch von Cord Balthasar und Thorsten Wiese, in dem sie Statistiken zu Todesfällen und ihren Ursachen leicht aufbereitet haben: “Warum Kugelschreiber tödlicher sind als Blitze: Verblüffende Statistiken über die Gefahren und Risiken unseres Lebens” von 2014. Der Vergleich Kuli-Schusswaffe statt Kuli-Blitz wurde von den GDV neu aufbereitet.

Tote durch Kugelschreiber

Die Zahlen für Kugelschreiber sind mir nicht bekannt, hier kann ich nur auf das Interview des Spiegels mit dem Autor Thorsten Wiese verweisen:

KarriereSPIEGEL: In Ihrem Buch schreiben Sie, Kugelschreiber seien regelrechte Todesmaschinen. Sollten wir im Büro einen Schutzanzug tragen?

Wiese: So gefährlich ist die Lage nicht. Wir wollten zeigen, dass die wahren Gefahren häufig woanders liegen, als wir denken.

KarriereSPIEGEL: Nämlich auf dem Schreibtisch?

Wiese: Ja, der Kugelschreiber ist ein gutes Beispiel. Wir fummeln und nuckeln daran herum, nehmen Einzelteile in den Mund. Allein in Deutschland ersticken deshalb schätzungsweise jedes Jahr mindestens 300 Menschen. Zum Vergleich: Pro Jahr sterben weltweit zwölf Menschen durch Haiangriffe und in Deutschland vier durch Gewitter. Dagegen sind 300 deutsche Kugelschreibertote ziemlich viel.

Tote durch Schusswaffen

Die Zahlen in Bezug auf Tote durch Schusswaffen habe ich die letzen Jahre recherchiert und sie stimmen, sofern man sich statistisch auf Unfälle und Angriffe konzentriert.

Todesursache Schusswaffe 2005 - 2011. Quelle: http://www.gbe-bund.de

Todesursache Schusswaffe 2005 – 2011.
Quelle: http://www.gbe-bund.de

Interessant ist, dass der Massenmord beim Amoklauf von Winnenden (2009) statistisch nicht auffällt – weder bei der Gesamtopferzahl dieses Jahres, noch bei der detaillierten Zahl der Angriffe mit Schusswaffe. Dieses Phänomen konnte ich EU-weit in allen Ländern (außer Norwegen) beobachten. Anscheinend bewirken spektakuläre Massenmorde in einem Land, dass andere Mörder ihre Tat nicht ausführen. Norwegen ist hierbei eine Ausnahme, da dieses Land generell eine sehr geringe Mordrate hat und nur wenig Bevölkerung. Hier waren die über 70 Opfer (Schusswaffe und Bombe) statistisch signifikant.

Tote durch legale Schusswaffen

Da die Politik uns Waffen als gefährlichen Besitz verkaufen will, gibt es weder eine veröffentlichte Statistik, noch eine Forschungsstudie zu diesem Thema. Wir können somit nur mehrere Statistiken miteinander vergleichen und uns in Erinnerung rufen, worüber die Medien berichten. Vollendeter Mord/Totschlag ist selten, aber über 400 Opfer sind trotzdem mehr als eines pro Tag. Wir lesen jedoch nur von diesen Taten, wenn sie a) lokal in der Nähe passierten oder b) mit sehr heftiger Gewalt ausgeführt wurden oder c) falls eine Schusswaffe benutzt wurde. War die Schusswaffe illegal, so taucht die Meldung – wenn überhaupt – nur kurz in den überregionalen Nachrichten auf; war sie legal, so wurde in der Vergangenheit lange darüber diskutiert, Experten befragt und nach Waffenrechtsverschärfungen gerufen.

Unfälle mit legalen Schusswaffen passieren fast nur auf der Jagd und liegen im Schnitt bei 0 bis zwei Todesopfern. Tätliche Angriffe sind auch in Deutschland meist Bandenkriminalität oder tödliche Beziehungsdramen. Auch hier tauchen legale Schusswaffen kaum auf.

Das BKA erhebt eine Statistik zu Waffenkriminalität, in der jährlich aufgezeigt wird, wie viele Schusswaffen bei Straftaten konfisziert wurden. Hierbei muss man beachten, dass eine Straftat nach dem StGB nicht mit einem vollendeten Mord-/Totschlag gleichzusetzen ist. Es kann sich auch um den nicht vollendeten Versuch handeln oder um Nötigung, Betrug oder auch um eine noch nicht geklärte Notwehraktion. Auf der anderen Seite kann auch eine Waffe – wie in Erfurt oder Winnenden – für viele Schusswaffenopfer missbraucht werden.

Auch muss man beachten, dass zwar legale Waffen von der Polizei gefunden und konfisziert werden, da diese registriert sind – jedoch illegale Waffen von den Mördern auch nach der Tat entsorgt werden. Aus diesem Grund lässt sich auch kein Verhältnis der konfiszierten Waffen nach legalem Status aufstellen. Die Dunkelziffer der illegalen Waffen ist uns leider nicht bekannt.

Sichergestellte Schusswaffen bei StGB-Straftaten
Quelle: Deutscher Bundestag

 

Studien und Lagebilder zur Schusswaffenkriminalität

Eine EU-Studie kommt zu dem Schluss, dass über 75% der Schusswaffenopfer auf das Konto der Bandenkriminalität geht und dass die allermeisten, wenn nicht sogar fast alle missbrauchten Schusswaffen illegal waren.

Eine andere EU-Studie kam zu den folgenden Ergebnissen:

  • Interpersonelle Verbrechen mit Feuerwaffen sind in den EU Staaten eher seltene Vorkommnisse, wobei der größte Anteil auf Raub und nicht auf zwischenmenschliche Gewaltdelikte entfällt. (Kapitel 2)
  • Es gibt viele Hinweise darauf, dass Besitzer von Feuerwaffen im Gegensatz zu den Tätern eher Opfer von Gewalt werden.
  • Ebenso scheint es zu einem Abschreckungseffekt zu kommen, da es in den Staaten mit höherer Waffendichte zu einer geringeren Rate an interpersonellen Verbrechen kommt.

In Deutschland wurde das letzte Mal 2002 detaillierte Daten zu Schusswaffenkriminalität, Straftatbestand und legalem Status veröffentlicht. Es ist aber davon auszugehen, dass der Trend beibehalten wurde, da ich gleiche Beobachtungen in Großbritannien und der Schweiz machen konnte: Legale Schusswaffen werden nie für Raub, Diebstahl, Erpressung, Entführung und Vergewaltigung missbraucht. Bei Mord, Totschlag und Körperverletzung handelt es sich fast immer um “Beziehungsdramen”. Bedrohung ist oft ein Notwehrexzess, selten ein Angriff.

Sichergestellte Schusswaffen bei Straftaten nach dem StGB

 

Der Trend, dass weniger als 4% der sichergestellten Schusswaffen legalen Ursprungs waren, ist seit 30 Jahren konstant. Daher kann man annehmen, dass auch die anderen Relationen von 2001 und 2002 erhalten blieben. Bei einem Rückgang um 2/3 der sichergestellten legalen Waffen, wird es einen ähnlichen Rückgang bei Mord/Totschlag/Schwerer Körperverletzung gegeben haben. Dies deckt sich mit einer dritten EU-Studie, nach der Mordraten um über 30% innerhalb der letzten zehn Jahre gesunken sind.

Demnach werden jährlich maximal fünf bis sieben Menschen mit einer legalen Schusswaffe durch einen Angriff getötet, sowie niemand bis zwei durch einen Unfall. Angesichts dessen, dass es über eine Million Schusswaffen in legalem Besitz gibt, bedroht der legale Besitz die öffentliche Sicherheit überhaupt nicht.

Die Versicherungen wissen schon, warum sie bei Jägern, Sportschützen und Waffensammlern die Beiträge für die Hausratversicherung nicht erhöhen und sehr, sehr niedrige Beiträge für deren Haftpflichtversicherung verlangen.

Kurze URL zu dieser Seite: https://german-rifle-association.de/0CSgU

6 Gedanken zu “Warum Kugelschreiber tödlicher sind als Schusswaffen

  1. Wunderbarer Beitrag ! “Handfeste” Argumente für Diskussionen mit Waffengegnern !
    Werde das gleich mal verteilen und ausdrucken. Einige Exemplare kommen gleich in
    meinen Waffenkoffer für den nächsten Abend auf dem Schiesstand.

  2. Ws gibt mehrere hundert Millionen von Kugelschreibern in Deutschland, von denen 300 im Jahr zum Tode führen. Wir haben aber nur rund 3,5 Millionen Schusswaffen die aber immerhin zu 50 Toten Jährlich führen. Prozentual bedeutet dies, dass Schusswaffen tausendmal gefährlicher als Kugelschreiber sind. Bei uns sterben 70 Menschen jährlich durch Schusswaffen. Hätten wir soviele Einwohner wie die USA würden bei uns statistisch 300 Menschen auf diese Art zu Tode kommen. Es sind in den USA aber über 30.000. Mit unserem Waffenrecht wären es nur 300. Dies bedeutet eine lockerung des Waffenrechts verhundertfacht die Todesopfer durch Schusswaffen.

    1. Unfug vom feinsten.

      Die Toten durch Legalbesitz bewegen sich im Promillebereich und das könnte man auch aus der PKS entnehmen.

      Die Masse der Toten durch SW Delikte in den USA ist milieugebundene Gewalt gegen die seit Jahrzehnten niemand einschreitet…Und das sind nur rund 1/3 aller Fälle. Die Suizide haben dabei nichts verloren, denn das sind streng genommen keine Delikte.

      Ein wissenschaftlich tragfähiger Vergleich normiert übrigens auf Fälle/[Einwohner].

      Und die Behauptung das eine Änderung der Norm, (auf welche US-Rechtslage eigentlich?) zu entsprechenden Änderungen führt bleibt bestenfalls Spekulation. Dazu sei auch nochmal darauf verwiesen das 2/3 Suizide sind und vom restlichen Drittel 70-90% eben milieugebundene Gewalt.

      Denn entgegen den Bestimmungen der Norm sind in der Bundesrepublik erlaubnispflichtige Schusswaffen leider allgemein verfügbar…
      Wer dienstlich mit dem Thema vertraut ist, wird die Belegstudien dazu kennen.

      Also H.P.M., schlecht getrollt und nicht im Thema stehend, ein typisch hoplophober Beitrag.

      Und noch etwas: Tatmittel sind nie handlungsleitend, der Tatentschluss kommt immer vom Täter, auch wenns schwerfällt dies einzusehen.

  3. Zur vermutlich kommenden “Eigensicherung” in Europa und speziell deutschen Bundesstaaten gehört normal für jeden volljährigen Menschen eine Waffenausbildung mit gesicherter “Schusswaffe” per gesichertem, verblomten Waffenschrank ins Haus oder Wohnung. Ansonsten wird es vermutlich mal in naher Zukunft existenzielle Überlebensprobleme in seiner jeweiligen Heimat geben, wenn die vermutlich längst eingemerkelten IS-Schläfergarden punktuell zuschlagen !

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