#DEGunban: Neues zum Magazinverbot

Seit dem 01.09.2020 sind Magazine für Zentralfeuermunition verboten, sofern sie bei Langwaffen mehr als 10 Schuss oder bei Kurzwaffen mehr als 20 Schuss aufnehmen können. Gleiches gilt für Magazingehäuse, sowie für halbautomatische Schusswaffen mit festem Magazin. Innerhalb eines Jahres können Besitzer diese Magazine anzeigen bzw. eine Ausnahmegenehmigung beantragen, um ihren Besitz zu erhalten.

 

Unsere Warnung vom 11.07.2020 war anscheinend unberechtigt. Wir hatten davor gewarnt, Ausnahmegenehmigungen zum Magazinverbot beim BKA zu beantragen, da wir fürchteten, dass diese mehrheitlich abgelehnt werden.

Nach den eingegangenen Rückmeldungen werden anscheinend großzügig kostenlose Ausnahmegenehmigungen für “neuen Altbesitz” erteilt, sofern man bereits Inhaber einer Waffenbesitzkarten (WBK) ist (Jäger, Sportschütze, Sammler, Sachverständiger) und mindestens einen 0er-Tresor hat. Auch Kaufbelege scheinen nicht unbedingt notwendig zu sein.

Nach unseren Recherchen gilt nun Folgendes für Magazine und Magazingehäuse für Zentralfeuermunition – alle Angaben ohne Gewähr.

Echter Altbesitz (vor 13.06.2017)

Magazine, die vor dem 13.06.2017 erworben wurden, sind nicht verboten und dürfen benutzt und transportiert werden, sofern man bis 31.08.2021 deren Besitz bei der örtlichen Waffenbehörde einfach anzeigt.

Durch die Anmeldung sind diese Magazine dann keine „verbotenen Gegenstände“ im Sinne des Waffengesetzes und unterliegen auch nicht den erhöhten Aufbewahrungsanforderungen. Sie dürfen nach Auskunft des Bundesinnenministeriums auch weiter verwendet werden (im Rahmen das jagdlich und schießsportlich Zulässigen). Wenn ein solches Magazin nicht mit mehr als drei Schuss für Jagd oder zehn Schuss für Schießsport geladen wird, kann es für Selbstladebüchsen weiter genutzt werden. Bei Kurzwaffen liegt die Grenze bei über zwanzig Patronen.

Information des DJV und FWR

Es ist kein Bedürfnis notwendig, auch kein Tresor der Stufe 0 oder höher. Jeder Bürger mit solchen Magazinen ist verpflichtet, diesen Besitz (und eventuell auch späteren Verlust) anzuzeigen.

Die örtlichen Behörden haben oft schon Formulare hierfür vorbereitet, die diesem hier ähneln. Bitte besucht die Webseite eurer Waffenbehörde.
Wichtig: Ihr müsst sämtliche Beschriftungen auf dem Magazin angeben, auch die eingravierten Zahlen, falls vorhanden.

Anzeige-Magazine

Anzeige für Magazine für Zentralfeuermunition

“Neuer Altbesitz” (13.06.2017 – 31.08.2020)

Für den Besitzerhalt muss man bis zum 01.09.2021 beim Bundeskriminalamt (BKA) einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung nach § 40 Abs. 4 WaffG i. V. m. § 58 Abs. 17 WaffG stellen. Wenn diese erteilt wird, unterliegt dieses Magazin als „verbotener Gegenstand“ auch den erhöhten
Aufbewahrungsanforderungen gemäß § 13 AWaffV.

Beim Antrag muss man ein Bedürfnis/Grund gem. § 8 WaffG und die Aufbewahrung in einem Tresor mit Widerstandsgrad 0 oder höher nachweisen. Zudem gibt man sein Einverständnis für kostenpflichtige Hauskontrollen der Aufbewahrung der Magazine. Auch gelten die Ausnahmen für “alte Tresore” nicht für diese Magazine. D.h. es ist zwingend ein Tresor der Norm DIN/EN 1143-1 Widerstandsgrad 0 vorgeschrieben. Das Gewicht darf unter Voraussetzungen 200 kg unterschreiten.

Anhand der uns vorliegenden Rückmeldungen ist der Nachweis des Bedürfnisses für WBK-Besitzer kein Problem. Wir wissen bisher nicht, ob Soldaten oder private Sammler ohne EWB-Schusswaffen ein solches Bedürfnis erhalten.

Obwohl man diese Magazine dann behalten darf, darf man sie im Inland nicht benutzen. Sie müssen im Inland dauerhaft im Tresor liegen und dürfen nur zu internationalen Matches “verbracht” werden, wenn dies vom Veranstaltungsland genehmigt ist. Dumm nur, dass manche Veranstaltungsländer zwingend die Kategorie A im EU Feuerwaffenpass verlangen, die Deutschland aber laut Gesetz nicht erteilt.

Im zivilen Bereich ist es grundsätzlich nicht (mehr) zulässig, verbotene Magazine in halbautomatischen Schusswaffen zu verwenden. Es wird deshalb grundsätzlich unterstellt, dass die in privatem Besitz befindlichen verbotenen Magazine in der Wohnung oder am ständigen Aufenthaltsort des Besitzers sicher aufbewahrt werden.

Blog: Soldaten und Einsatzkräfte

Neuerwerb (nach dem 01.09.2020)

Laut dem Blog der Soldaten und Einsatzkräfte hat die Pressestelle des BKA Folgendes geschrieben:

Ab dem 01.09.2020 benötigen alle Personen, die verbotene Magazine erwerben wollen, bereits vor dem Erwerb Ausnahmegenehmigungen nach § 40 Abs. 4 WaffG. Ebenso bedürfen ab diesem Zeitpunkt Personen, die rechtmäßig im Besitz verbotener Magazine sind, einer Ausnahmegenehmigung gemäß § 40 Abs. 4 WaffG, um diese verbotenen Magazine anderen Personen zu überlassen.

Die Auflagen zum “neuen Altbesitz” sind identisch. Zudem sollte sich jeder Käufer/Erwerber versichern, dass der Verkäufer/Überlasser im Besitz einer Ausnahmegenehmigung für das betroffene Magazin ist.

Nach unseren Informationen wird es keine “generellen” Ausnahmegenehmigungen geben, weder für Händler, noch für international aktive Wettkampfsschützen. D.h. man muss für jede Neuerwerbung einen Antrag beim BKA stellen, bevor man ein solches Magazin erwirbt.

Problem Dual Use

Sofern jemand eine Erlaubnis zum Besitz einer Langwaffe hat, in die auch Kurzwaffen-Magazine passen, sind umgehend diese im Besitz befindlichen Kurzwaffen-Magazine “verbotene Gegenstände”, sofern sie mehr als 10 Schuss umfassen. Dadurch ändert sich laufend der Zustand “verbotenes Magazin” oder “erlaubtes Magazin” anhand der Besitzverhältnisse.

ein Wechselmagazin, das sowohl in Kurz- als auch in Langwaffen verwendbar ist, gilt als Magazin für Kurzwaffen, wenn nicht der Besitzer gleichzeitig über eine Erlaubnis zum Besitz einer Langwaffe verfügt, in der das Magazin verwendet werden kann;

Waffengesetz (Anlage II Punkt 1.2.4.4)  

Der deutsche Sonderweg (Magazinverbot statt Zugangsbeschränkung für Bedarfsgruppen) schafft große Probleme für diese “Dual-Use-Magazine”. Eigentlich müsste man sich bei jeder Überlassung (Verkauf, Leihe, etc.) alle WBKs des Empfängers zeigen lassen, um auszuschließen, dass das Magazin seinen Zustand von erlaubt nach verboten wechseln wird, weil man es jemanden überlässt, der eine passende Langwaffe dazu hat. Auch ist die Wortwahl “Erlaubnis zum Besitz” problematisch, da Händler generelle Erlaubnisse haben.

Bildquelle: Photo by Will Porada on Unsplash

Kurze URL zu dieser Seite: https://german-rifle-association.de/V5fWH

22 Gedanken zu “#DEGunban: Neues zum Magazinverbot

    1. Ist das mehr so ein Bauchgefühl Deines Händlers oder hat er das irgendwie mit Gesetzen begründet?

      Historisch: Wir haben es Vicky Ford zu verdanken, daß in der ganzen EU Feuerwaffenrichtlinie immer von Ladevorrichtungen (Magazinen) für Lang- oder Kurzwaffen die Rede ist, die Zentralfeuermunition verschießen. Das Argument seinerzeit war, daß analog zum Verbot von Vollautomaten für uns Pöbel nirgends bei Militär oder Polizei in der EU Randfeuerwaffen als Einsatzmittel verwendet werden, und diese daher ausgenommen werden sollen.

      Hier
      https://www.bundestag.de/resource/blob/683406/9abe53112ee868c88be73ad681f46e1a/WD-3-294-19-pdf-data.pdf

      ist bei allen Ladevorrichtungen betreffenden Änderungen von Zentralfeuermunition die Rede. Das bedeutet nach meinem Verständnis – ich bin Naturwissenschaftler, kein Jurist – der Gesetzgeber hat sich die Mühe gemacht, jedesmal “für Zentralfeuermunition” da hinzuschreiben, weil er eben nicht wollte daß die betreffenden Absätze für jede Art Feuerwaffen und deren Munition anzuwenden seien.

    2. Nein, sie gilt nur für Zentralfeuermunition.

      Der Waffenhändler soll mal seine Vorlieferanten anrufen, die wissen es besser und geben ihm Bescheid – oder das Gesetz lesen. Aber letzteres bringt den meisten Leuten nicht sehr viel, da es zu kompliziert geschrieben ist.

    1. Da bin ich leider überfragt, aber passen in die Flinte wirklich 11 Patronen der Sorte ins Magazin (also: nicht 10+1), die in der WBK stehen, also z.B. 12/76 (wo dann mehr als die genannte Anzahl an daraus verschießbaren, aber kürzeren reinpassen würden?

  1. Guten Abend,

    ist es ein Muss, die Herstellerangaben (Produktionsjahr) an den Magazinen zu haben? Ich meine bei Blechmagazinen fehlen die ja gänzlich.

    Meine Frage bezieht sich auf meine von Hera und MagPul, welche ich lackiert habe und dazu die die Zahlen etc komplett entfernt habe. Alle wurden vor 2017 gekauft, wo ich glaube auch irgendwo noch eine Rechnung habe

  2. Interessanter Chat bei “Let’s Shoot”: https://youtu.be/kDnKdvfRvLc

    Dabei neu für mich – in einem 0er-Tresor darf man nur 3 “verbotene Gegenstände” aufbewahren.

    D.h. man müsste als Neu-Altbesitzer mit A/B-Schrank und 5 Magazinen sich einen 1er-Tresor kaufen.

    Das muss man sich mal vorstellen: Munition darf in einem Blechschrank lagern, aber leere Neu-Altbesitz Magazine im teuersten Tresor.

    1. @Katja Triebel
      Mit dem dritten Waffenrechtsänderungsgesetz haben die Waffenrechtsbürokraten wahrhaft ihr Meisterstück abgeliefert. Das deutsche Waffenrecht ist jetzt so undurchschaubar und knifflig wie nie zuvor.

      Die Steuerrechtler aus dem Finanzministerium hierzulande durften bekanntlich bisher stolz darauf sein, dass sie das vermutlich komplizierteste Steuerrecht der Welt geschaffen haben.

      Jetzt bekommen sie ernsthafte Konkurrenz aus dem Innenministerium. Ich wage zu behaupten, dass die Deutschen wahrscheinlich das weltweit komplizierteste Waffengesetz haben (und ein strengeres Waffengesetz gibt es wohl nur noch in Großbritannien, China und Nordkorea).

      Wenn sogar die stets politisch korrekte ARD einmal den Begriff „Bürokratiemonster“ für unser Waffengesetz in den Mund nimmt, dann sollte man sich im Innenministerium fragen, ob man sich nicht völlig vergaloppiert hat.

    2. Ich hatte gerade ein Gespräch mit einem Schützenkameraden mit einem Spezialfall, auf den ich keine rechtssichere Antwort wusste, vielleicht kannst und willst Du helfen:
      Der Kamerad hat eine Beretta 92SF und eine Beretta Cx4 Storm. Jeweils mit einigen Magazinen die dazu passen, d.h. für die 92SF mit 15 Patronen Kapazität, die auch problemlos in die Cx4 passen, das ist ja vom Hersteller gewollt so.

      Alles lange vor 2017 gekauft. Wie ist hier die aktuelle Rechtslage und wie geht man damit sinnvoll um?

      1. @Arthur E.
        Die GRA hat die Frage bereits beantwortet.

        „Problem Dual Use: Sofern jemand eine Erlaubnis zum Besitz einer Langwaffe hat, in die auch Kurzwaffen-Magazine passen, sind umgehend diese im Besitz befindlichen Kurzwaffen-Magazine ‚verbotene Gegenstände‘, sofern sie mehr als 10 Schuss umfassen. Dadurch ändert sich laufend der Zustand ‚verbotenes Magazin‘ oder ‚erlaubtes Magazin‘ anhand der Besitzverhältnisse.
        Ein Wechselmagazin, das sowohl in Kurz- als auch in Langwaffen verwendbar ist, gilt als Magazin für Kurzwaffen, wenn nicht der Besitzer gleichzeitig über eine Erlaubnis zum Besitz einer Langwaffe verfügt, in der das Magazin verwendet werden kann;
        Waffengesetz (Anlage II Punkt 1.2.4.4
        https://german-rifle-association.de/degunban-neues-zum-magazinverbot/

        Das Forum Waffenrecht hat einen guten F&A-Katalog zum neuen Waffenrecht gemacht.
        Zu Eurem Problem heißt es dort:

        Frage: „Welche Grenze gilt für Magazine, die sowohl für Kurzwaffen, als auch für Langwaffen verwendbar sind?“

        Antwort: „Magazine, die sowohl für Kurzwaffen, als auch für Langwaffen verwendbar sind, gelten als Kurzwaffenmagazine, sofern nicht der Besitzer auch im Besitz einer geeigneten Langwaffe ist – dann gilt die niedrigere Grenze für Langwaffenmagazine. Auch wenn der Besitzer eines solchen Magazins bislang nicht im Besitz einer passenden Langwaffe ist, kann kann aber schon – quasi “sicherheitshalber” – das Magazin bei der Waffenbehörde anmelden, um gewappnet zu sein für den Fall, dass er später einmal eine solche Langwaffe erwirbt. Denn dann gilt auch die Altbesitzregelung.“
        https://bit.ly/30d5AoS

        Also müssen in Eurem Fall die Kurzwaffenmagazine angemeldet werden.

        Wenn das so weitergeht, dann können nur noch Juristen Waffen rechtssicher handhaben.

      2. @ Schmied
        Zitat:”Wenn das so weitergeht, dann können nur noch Juristen Waffen rechtssicher handhaben.”

        Das ist genau das Problem. Mir stellt sich die Frage, wie das zu rechtfertigen sein soll.
        Mehr Sicherheit wird dadurch nicht erzeugt. Nur die Fallstricke werden mehr und größer.
        Was den Anschein erweckt, dass genau darin die Absicht liegt.
        Es sollen möglichst viele Leute in die gelegten Fallen tappen.
        Und dazu fällt mir sofort eins ein: Das Schikaneverbot.

    1. @ Arthur E.
      Habe ich gerne genacht.
      Bei modernen Kurzwaffen haben die Magazine in der Regel eine Kapazität von mehr als 10 Patronen. Wer nun eine oder mehrere Langwaffen hat, die diese Magazine aufnehmen können (was nicht besonders oft vorkommen dürfte), der muss wirklich aufpassen, dass er die Meldefrist zum 31.08.21 nicht versäumt. Es würde mich nicht wundern, wenn die Waffenbehörden nach Ablauf der Frist genau diese Waffenbesitzer per EDV herausfiltern um zu prüfen, ob sie ihre Kurzwaffenmagazine gemeldet haben. Haben sie das nicht, wird man zeitnah eine Waffenschau nach § 36 Abs. 3 WaffG machen. Werden dann die wegen der Langwaffe(n) verbotenen Kurzwaffenmagazine gefunden, dürfte es um die waffenrechtliche Zuverlässigkeit geschehen sein. Da wird es sicher wieder einige erwischen, vor allem jene, die im Schießsport nicht mehr aktiv sind und dementsprechend die Änderungen im Waffengesetz nicht mitbekommen haben.

      Solche Regelungen bringen kein Mehr Sicherheit im Umgang mit Waffen. Dagegen machen sie das ohnehin kaum mehr verständliche deutsche Waffenrecht noch komplizierter und führen im Endeffekt zu immer mehr Rechtsunsicherheit, weil kaum mehr jemand den Überblick hat. Durch diese Regelung kann man aber wieder einige waffenrechtliche Erlaubnisse widerrufen, getreu der seit 1972 im Waffenrecht geltenden sachgrundfreien Regel, „möglichst vielen Bürgern verwehren sich zu bewehren“ (so damals der verantwortliche Regierungsdirektor Siegfried Schiller).

  3. @Ralf Pöhling, Antwort auf das oben angesprochene Schikaneverbot

    Je weiter eine Gesellschaft in die Niederungen des Sozialismus hinabsteigt, desto unfreier wird sie. Die Zahl der Ge- und Verbote nimmt dann immer mehr zu, nicht nur im Waffenrecht und wenn ein bestimmtes Maß an Kontrolle/Überwachung erreicht ist, so nennt man das Schikane. Die Libertäre Ayn Rand hat das für den Bereich der Wirtschaft einmal sehr schön formuliert:

    „Geld ist das Barometer der Moral einer Gesellschaft.
    Wenn Sie sehen, dass Geschäfte nicht mehr freiwillig abgeschlossen werden, sondern unter Zwang;
    wenn Sie, um etwas zu produzieren, die Erlaubnis von Leuten brauchen, die nichts produzieren;
    wenn Sie sehen, dass das Geld an die fließt, die nicht mit Gütern handeln, sondern mit Gefälligkeiten;
    wenn Sie sehen, dass Leute eher durch Bestechung und Beziehungen reich werden als durch Arbeit und ihre Gesetze nicht Sie vor diesen Leuten schützen, sondern diese Leute vor Ihnen;
    und wenn Sie sehen, dass Korruption belohnt belohnt wird und Ehrlichkeit zum Opfer wird.
    Dann wissen Sie, dass Ihre Gesellschaft vor dem Untergang steht.“

    zitiert nach Markus Krall: Der Draghi-Crash, 4. Aufl., München: Finanzbuch-Verlag 2018, S. 85

    1. @ Schmied
      Rand war eine hochintelligente Frau. Und sie hat den Sowjetbolschewismus von innen gesehen.
      Und sie hat ihn brillant analysiert. Was ihre Aussagen immer und immer wieder belegen.
      Man sollte nicht meinen, dass die EU trotz vorgeblich liberaler und konservativer Kräfte an vielen Stellen des Machtapparates nicht in genau diesen Sowjetbolschewismus abdriften könnte.
      Es sind Menschen, die die Politik machen. Und wenn man die Menschen in den Parteien auswechselt, wechselt mit ihnen auch die Politik. Das Erscheinungsbild der Parteien bzw. die Erwartungshaltung des Wählers an die selbigen, bleibt jedoch gleich. Er bekommt also eine Chimäre untergeschoben, die nicht mehr das ist, was sie nach außen darstellt.
      Der Organismus mutiert so langsam durch den malignen Einfluss von in ihn einfließenden Interessen. Er wird quasi auf zellulärer umprogrammiert. Was wiederum die Fresszellen auf den Plan ruft.
      Mich würde interessieren, was Krall für eine Reichweite und welchen Einfluss er hat.
      Wir müssen die Kurve kriegen. Was hier läuft, geht vollends gegen unsere freiheitlich demokratische Grundordnung. Die Amerikaner kommen damit bisher deutlich besser klar, als wir in der EU. Was daran liegt, dass die amerikanische Verfassung auf solche Probleme mit dem 2nd Amendment viel besser vorbereitet ist, als die deutsche.
      Und wenn ich daran denke, dass die EU sich hier Dinge anmaßt, die ihre rechtlich überhaupt nicht zustehen, muss man schon fast zu dem Schluss kommen, die EU erklärt ihren Mitglieder den Krieg. Was die Visegrad Staaten auch so wahrnehmen. Zu recht.

      1. @Ralf Pöhling
        Markus Krall hat auf Twitter 27.000 Follower. Zum Vergleich: Die GRA hat 2.700 Follower und Roland Tichy kommt auf 270.000. Fraglich ist, inwieweit Twitter ein allgemeiner Maßstab für Reichweite ist. Krall z.B. hat in den letzten drei Jahren zahllose Vorträge zur wirtschaftlichen Situation in Deutschland und der EU gehalten von denen sehr viele online verfügbar sind. Außerdem hat er Bücher geschrieben. Ich denke, dass ihn jeder kennt, der sich (a) alternativ informiert und der (b) ein Interesse für Wirtschaft hat.
        Ich persönlich habe 2008/2009 angefangen, mich in die Österreichische Schule einzulesen, kann also das, was Krall sagt, ganz gut einschätzen. Ich beobachte ihn, seit er an die Öffentlichkeit gegangen ist, also seit ungefähr drei Jahren, intensiv und kann sagen, dass absolut alles, was er sagt, Hand und Fuß hat.
        In einem Interview mit Andre Lichtschlag, dem Herausgeber des libertären ef-Magazins, hat sich Krall letztes Jahr sogar zum Waffenrecht geäußert. Seine diesbezüglichen Aussagen möchte ich hier niemandem vorenthalten:
        https://www.youtube.com/watch?v=hxOoRjgrcs0, ab ca. Stunde 1:25

      2. @ Schmied
        Ich komme aus der selben Ecke, irgendwo zwischen Rand und Hayek.
        Insofern sehe ich das, was Krall propagiert, natürlich genauso als richtig an.
        Was er da in dem Video sagt, dem kann ich eigentlich (ich hab es nicht ganz gesehen, darum die Einschränkung) vollumfänglich zustimmen.
        Individuelle Freiheit muss aktiv herbeigeführt und aktiv erhalten werden. Von alleine stabilisiert sich da nichts und driftet in die Anarchie ab, was letztlich in die totalitäre Gegenwehr der Ordnungsfetischisten zurückschlägt. Was man 1848 ja auch beobachten konnte. Wenn man die individuelle Freiheit, also die Existenzgrundlage des Bürgertums, herstellen und erhalten möchte, dann muss man die Macht individualisieren, also auf das Volk bzw. die Bürger möglichst breit verteilen. Und genau das, haben die Schweizer mit ihrer Basisdemokratie und ihrem liberalen Waffenrecht getan.
        Jedes Machtvakuum wird alsbald gefüllt. Ohne Macht geht es nicht.
        Der Mensch tickt einfach so, damit muss man sich arrangieren.
        Um totalitäre Auswüchse zentralisierter Macht zu verhindern, muss man sie folglich dezentralisieren, was das Waffenrecht und die Verteidigung natürlich als allererstes(!) voraussetzt.
        Ob die Anzahl der Follower irgendetwas aussagt, stelle ich mal in Frage.
        Ich selbst bin z.B. nicht bei Twitter und tauche deshalb in er Statistik gar nicht auf.
        Auch dürfte entscheidend sein, auf wen man Einfluss nehmen und überzeugen kann.
        Manche Teile der Gesellschaft haben mehr Breitenwirkung als andere.
        Wir können mit “Klasse statt Masse” sicherlich etliches in Gang bringen.
        In weiten Teilen ist dies bereits gelungen.

  4. @Ralf Pöhling, zu: „Jedes Machtvakuum wird alsbald gefüllt.“

    Vollkommen richtig! Es gibt kein Vakuum, schon gar nicht bei der Macht. Den Missbrauch der Macht verhindert man am besten, indem man sie dezentralisiert, was bedeutet, dass man sie in möglichst viele Einheiten aufteilt. Darum haben die Schweizer eine Milizarmee und ein liberales Waffenrecht. Dieselbe Erkenntnis liegt auch dem zweiten Zusatz zur US-Verfassung zugrunde.

    Lesen hier Juristen mit, die sich das 2A einmal gerne näher anschauen möchten?
    Hier ist eine Liste mit Empfehlungen zum Second Amendment von Prof. David Kopel, die er vor einigen Jahren für Jurastudenten gemacht hat, die sich für eine Stelle am Supreme Court interessieren: http://davekopel.org/2A/Mags/10-on-the-Second.pdf

    Es gibt noch einen anderen Bereich, bei dem es extrem wichtig ist, dass die Macht geteilt wird, und das ist das Geld. Die Normalbürger können sich überhaupt nicht vorstellen, welch unvorstellbare Macht Zentralbanken haben. Das Mindeste wäre, dass der Zentralbankchef vom Volk gewählt wird. Niemals darf er von der politischen Klasse ernannt werden. Roland Baader hat die Zentralbanker „Gottspieler“ genannt und das ist keine Übertreibung. Diese Leute sind zwar nicht Gott, aber sie sind fast so mächtig wie Gott. Es gibt keinen treffenderen Begriff. Wer wissen will, wie Wirtschaft und Geld wirklich funktionieren und sich kundig machen will, der wird mit Roland Baader sicher glücklich werden.

  5. Es ist immer wieder interessant, die Aussagen amerikanischer Spitzenpolitiker mit denen ihrer deutschen Kollegen zu vergleichen.

    Konfrontieren wir heute unsere Kanzlerin, die kürzlich eine erhebliche Verschärfung unseres bereits extrem restriktiven Waffengesetzes veranlasst hat, mit dem, was ihr amerikanischer Amtskollege Donald Trump zum Waffenrecht zu sagen hat.

    Die Aussagen Trumps (er ist NRA-Mitglied!) stammen aus der aktuellen Ausgabe des American Rifleman (November 2020, S. 43 ff.). Der Rifleman, der mittlerweile fast 100 Jahre alt ist, ist quasi die ADAC-Motorwelt der NRA. Der Chefredakteur des Rifleman hatte kürzlich die rare Möglichkeit, mit Donald Trump ein Exklusiv-Interview zu führen. Ich bringe hier ein paar Auszüge. Wörtliche Zitate von Präsident Trump sind in Anführungszeichen:

    – Beginn des Auszugs:

    „Ich bin sehr stolz darauf, dass mich die NRA [im Wahlkampf] unterstützt. Das sind sehr, sehr gute Leute, und sie schützen das Second Amendment.“ …

    „Ich werde niemals schwanken. Ich werde [Euch] niemals enttäuschen. Ich habe das Second Amendment immer geschützt und werde das weiterhin tun.“ …

    Der Präsident hatte natürlich einen Waffenschein während er in New York City lebte. Er hat viele Male gesagt, dass er es für notwendig hält, bereit zu sein, sich selbst zu verteidigen. Er hat auch viele Male gesagt, dass er der Auffassung ist, dass alle gesetzestreuen Bürgern dasselbe grundlegende Menschenrecht haben. …

    „Wenn die Demokraten reinkommen [ins Weiße Haus], werden sie Euch die Waffen wegnehmen.“ … „Wenn Sie eine Frau oder sonst jemand sind und ein Krimineller bricht bei Ihnen ein, dann werden sie [die Kriminellen] immer noch eine Pistole haben – eine illegale Pistole –, aber Sie werden keine haben und sie [die Kriminellen] werden das wissen.“ …

    „Ich war oft beim Schießen, aber meine Jungs sind großartige Schützen. Sie haben Weltklasse.” Während er das sagt, greift er zu einem Exemplar der August-Ausgabe von Americas‘s First Freedom [eine andere Zeitung der NRA], die seinen Sohn Eric auf dem Cover zeigt. Er meint: „Nur in Amerika kann ich solche Kinder haben.” …

    Erfüllt von Stolz und Überzeugung meint er dann weiter:
    „Wir brauchen das Second Amendment. Dieses wichtige amerikanische Freiheitsrecht wird unter meiner Führung nicht enden.“

    – Ende des Auszugs

    Mein Kurzkommentar:
    Man stelle sich vor, Angela Merkel oder Horst Seehofer würden uns Sportschützen und Jäger als „sehr, sehr gute Leute“ bezeichnen. Eher würden sie sich die Zunge abbeißen!

    Hier habe ich übrigens schon einmal im Kommentarbereich über Trump und das amerikanische Waffenrecht berichtet: https://german-rifle-association.de/degunban-drittes-waffenrechtsaenderungsgesetz-im-bundestag-am-11-12-und-12-12-19/)

    Ergänzung:
    Gerade als ich diesen Kommentar fertig hatte, kam eine Email herein, dass der Bericht aus dem Rifleman über das Interview jetzt auch für die Allgemeinheit bereitsteht: „President Trump Praises NRA Members in Exclusive Interview – A Critical Vote for Freedom“, https://bit.ly/2HrSDk9

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