Mir reicht es. Wirklich, so vollkommen.

Ein Gastbeitrag von Christian Schindler

Wieder einmal läuft eine sorgsam orchestrierte Kampagne gegen den legalen Waffenbesitz. Wieder einmal kriechen die ,,üblichen Verdächtigen“ aus ihren Löchern. Wieder einmal sind es Hetzer und Blender wie Roman Grafe, die in den Gazetten Raum für ihre faktenfreien Ergüsse erhalten. Wieder einmal vermisst man an gleicher Stelle entsprechende Gegenstimmen für die journalistische Ausgewogenheit.
Mir reicht es. Wirklich, so vollkommen.

Hier mein entsprechender Leserbrief an ZEIT ONLINE und ntv:

,,Sehr geehrte Damen und Herren,

im Folgenden beziehe ich mich auf den Kommentar ,,“Warten wir auf den nächsten Amoklauf oder handeln wir schon früher?“ von Herrn Roman Grafe, der bei Ihnen am 17.2.22 auf Ihrer Hauptseite und am 21.2.22 auch auf Facebook veröffentlicht wurde.


Ich bin, bei allem gebotenen Respekt, maßlos enttäuscht und fast schon entsetzt, dass Sie einem üblen Populisten und Hetzer wie Herrn Grafe journalistischen Raum bieten. Grafe ist seit Jahren für seinen äußerst kreativen Umgang mit den Fakten bekannt. So bezeichnete er in der Vergangenheit Taten als ,,Sportmordwaffen-Morde“, bei denen es sich um erweiterte Selbstmorde bzw. aktive Sterbehilfe handelte (z.B. Heidelberg 2018), bei denen das OPFER ein Sportschütze war (z.B. Plochingen 2011, Genthin 2011) oder bei denen der Täter Jahre und Jahrzehnte vor der Tat einmal Sportschütze war, zum Tatzeitpunkt jedoch keine Sportwaffen besaß (z.B. Brachstedt 2017). So verwundert es auch nicht, dass Grafe fälschlicherweise den Amoklauf von Heidelberg als ,,Legalwaffen-Amok“ einordnet.

Allein das würde schon reichen, um Herrn Grafe von jeder fachlichen Debatte auszuschließen. Dazu kommt jedoch noch, dass Grafe selbst bei seinesgleichen durch seine beleidigenden, respektlosen und polemischen Ausbrüche in Misskredit geraten ist. Erinnert sei hier an dieser Stelle nur an die Talkrunde vom 24. März 2021, als selbst eine Irene Mihalic (Bündnisgrüne) Grafe maßregeln und zur Ordnung rufen musste oder an die Tatsache, dass selbst die Angehörigen der Winnenden-Opfer keine weitere Zusammenarbeit mit ihm wünschen.

In erster Linie bin ich jedoch in meiner beruflichen Eigenschaft als Haupt- und Realschullehrer über Ihre Wahl Grafes als Kommentator entsetzt und erzürnt. Ich bemühe mich seit Jahren um eine evidenzbasierte und sachkundige Amokprävention im schulischen Bereich und weiß daher, dass die Verfügbarkeit legaler Schusswaffen nicht den geringsten Einfluss auf den Tatwillen eines Amokläufers hat. Erinnert sei an dieser Stelle exemplarisch nur an den Schulamoklauf von Köln-Volkhoven 1964, der zehn Todesopfer und knapp zwei Dutzend Schwer- und Schwerstverletzte forderte und bei dem eine simple Pflanzenspritze das Haupttatmittel war.


Es kann und darf nicht sein, dass ein Roman Grafe durch seine Polemiken suggeriert, Amokläufe an Bildungseinrichten würden der Vergangenheit angehören, würde man nur alle legalen Waffen in privater Hand verbieten. Ein Roman Grafe bringt die mir anvertrauten Schülerinnen und Schüler und meine Kolleginnen und Kollegen durch ein solches Zerrbild der Wirklichkeit in Gefahr.Ich fordere Sie daher dringend auf, einer entsprechenden Gegenrede zu Grafes gefährlichen Thesen journalistischen Raum zu bieten. Nach den Grundsätzen der Neutralität und der gründlichen Recherche (Qualitäten, die ich einst mit journalistischer Arbeit verbunden habe) halte ich dies für dringend geboten.

Ich verbleibe in Erwartung Ihrer Antwort
mit freundlichen Grüßen

Christian Schindler

Hier noch ein paar gesammelte Belege:

Fall ,,Plochingen 2011″

Ehefrau erschießt sportlich schießenden Ehemann mit 9mm-Pistole: ,,Das Ehepaar besitzt die 9-mm-Sportpistole und drei weitere Pistolen legal. Sabine und Thomas W. sind Mitglied in einem Schützenverein. Die Frau aber „hat aktiv aufgehört, als das erste Kind zur Welt kam“ (Anmerkung von mir: Das Kind war zum Tatzeitpunkt zehn Jahre alt), weiß Polizeisprecher Schaal. Thomas W. sei bis zuletzt ein Sportschütze gewesen.“

https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.plochingen…

Fall ,,Genthin 2011″

Psychisch Kranker meldet sich beim Schießtraining der Jägerschaft Genthin an und erschießt den Schießplatzwart und zwei zufällig anwesende Gäste des Clubs mit der Pistole des Wartes.

[Paywall] https://rp-online.de/…/mutmasslicher-taeter-war…

Fall ,,Brachstedt 2017″

An einer paranoider Psychose (was locker zum Entzug der WBK gereicht hätte…) leidender Jäger und EHEMALIGER Sportschütze erschießt seine Ehefrau, nachdem er ihr im Streit schwere Kopfverletzungen zugefügt hat. Anmerkung von mir: Ich kann jeden verstehen, der nun sagt, dass der Täter die Tatwaffe legal besaß. Wenn aber jemand seinen Auftritt als ,,Sportmordwaffen“ vermarktet und gegen erlaubnispflichtige Sportwaffen wettert, muss ich erwarten, dass man hier genau arbeitet.

https://www.mz.de/…/ehefrau-in-brachstedt-erschossen…

Fall ,,Heidelberg 2018″

Nach den damals vorliegenden Presse- und Polizeimeldungen handelte es sich um einen verzweifelten 71jährigen, der im Angesicht von zunehmenden Alter und Gebrechen befürchten musste, sich nicht mehr um seine ebenfalls kranke Ehefrau und den pflegebedürftigen Sohn kümmern zu können. Man darf also einen erweiterten oder gar verabredeten Suizid vermuten. Aus Gründen der Pietät sind die entsprechenden Meldungen (z.B. SWR) inzwischen verschwunden und auch ich möchte mich daher hier bedeckt halten. Der Vollständigkeit halber hier ein noch verfügbarer Pressebericht:

https://www.haz.de/…/Polizei-vermutet-Familiendrama…


Ein Gastkommentar von Christian Schindler, 21.02.2022 mit freundlicher Genehmigung via Facebook.

Kurze URL zu dieser Seite: https://german-rifle-association.de/Cy1nM

6 Gedanken zu “Mir reicht es. Wirklich, so vollkommen.

  1. Hallo zusammen, hallo Herr Schindler,
    auch von mir, etwas verspätet, herzlichen Dank und großen Respekt für ihr couragiertes
    Schreiben an die FAZ bezüglich R. Grafes Artikel!
    Hierzu möchte ich noch folgendes anmerken:
    Seit langem beobachte ich als älterer Jäger und Sportschütze die gesellschaftliche und politische Entwicklung in unserem Land mit großer Sorge und stelle fest das uns als Legalwaffenbesitzer seitens der Politik, mancher Behörden wie auch aus großen Teilen der Gesellschaft immer mehr Mißtrauen und Ablehnung bis hin zu regelrechten Hassattacken entgegengebracht wird!
    Politiker, besonders diejenigen des Öko-linken Spektrums sehen sich in ihrer Absicht bestätigt,
    Gesetze, besonders das Waffengesetz, immer weiter zu verschärfen, laut Plan der „Grünen“ den
    privaten Waffenbesitz ganz abzuschaffen und alle Waffen, darunter auch historisch wertvolle,
    völlig Delikt irrelevante Stücke zu vernichten.
    Ich habe auch den Eindruck das Organisationen, die die Interessen der Legalwaffenbesitzer vertreten, zur Zeit kaum etwas anderes tun können außer die immer extremeren Gesetzesver-
    schärfungen ihren Mitgliedern bekannt zu geben.
    Mir ist klar das Politiker und Medien die den heutigen öko-linken Zeitgeist oder „Mainstream“
    vertreten und dafür Propaganda machen in einer mittlerweile derartig starken Position sind
    das diese nicht einmal mehr vor Verstößen gegen das Grundgesetz zurückschrecken, was mitt-
    lerweile von hochrangigen Juristen wie auch von kritischen Journalisten zunehmend verurteilt
    wird!
    Leider haben, was unsere Interessen als Waffenbesitzer betrifft, viele Jäger, Sportschützen und
    Waffensammler den Ernst der Lage offensichtlich immer noch nicht begriffen und lieber die zu

    nehmende Bedrohung verdrängen, vielleicht aus Angst vor Schikane oder weil es unangenehm
    ist, sich mit der heutigen Situation zu beschäftigen anstatt gemeinsam nach Auswegen aus dem
    Dilemma zu suchen.
    Ich denke das das was jeder von uns tun kann und sollte, ist aufzuhören mit selbstmitleids-
    vollem Gerede wie „da kann man doch nichts machen“ oder „was können wir denn schon tun?“
    was ich schon von so vielen in unseren Kreisen schon gehört habe! Selbst die Verbände der Jä-
    ger, Sportschützen und Waffensammler scheinen oft lieber den vielzitierten „vorauseilenden
    Gehorsam“ zu praktizieren, vielleicht um nicht unangenehm aufzufallen, anstatt die Interessen
    ihrer Mitglieder zu vertreten, was ich schon häufig von Verbandsmitglieder zu hören bekam!
    Es gibt immer mehr Bürger die für ihre Interessen auf die Straße gehen, nicht nur im Zusam-
    menhang mit Corona! Wenn sich alle Bürger, gleich welche Interessen sie vertreten, solidari- sieren würden, ihren Unmut öffentlich demonstrieren und Rückendeckung von ihren Verbän-
    den bekämen, könnten wir unsere Situation sicherlich wesentlich verbessern! Grüße, Uli S.

  2. Hallo Herr Schindler,
    auch ich fand Ihren Beitrag richtig und wichtig. Jeder Mensch hat das Recht privaten Waffenbesitz zu befürworten oder abzulehnen. Aber einem Roman Grafe in einem seriösen Medium die Möglichkeit zu geben, nachgewiesene Lügen zu verbreiten, hat die gleiche Qualität, als würde selbiges Medium einem Vorstandsmitglied der NPD gestatten, sich zu Fragen der Zuwanderung zu äußern.

  3. Sehr geehrter Hr. Schindler,
    Sie haben sehr präzise und faktenbasiert argumentiert. Ich sehe die Geschichten um Grafe ähnlich.
    Es gibt eben Menschen, deren Lebenszweck es zu sein scheint, Zwietracht zu sähen und andere Menschen zu diskreditieren. Im Grunde ganz arme Würstchen, die notfalls mithilfe agressiver Phantasien ihre Weltsicht hinausposaunen und so um Aufmerksamkeit heischen.
    Dass diesen Figuren immer wieder eine Plattform geboten wird, liegt sicher auch an der Sensationsgeilheit heutiger „Qualitätsmedien“.
    Mein Respekt für Ihre Disziplin, in der beschriebenen Situation noch so objektiv und faktenbasiert und ruhig zu argumentieren.
    Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen!
    Mit freundlichen Gruessen
    Johannes Bormann

  4. Hallo zusammen, hallo Herr Schindler,

    zum einen sehr gut geschrieben und zum anderen bewundere ich Menschen wie sie, die öffentlich Unrecht entgegentreten. In diesem Fall mal wieder Herr Grafe… ja auch ich halte ihn, genau wie auch etliche Politiker, für einen Hetzer und Stimmungsmacher. Das er Journalismus studiert hat entschuldigt nicht seine diffamierende Beiträge in der FAZ, Die Zeit und weitere elitäre linksgerichtete Schmuddelblätter.
    Mir erschließt sich nicht, warum dieser Mann versucht hunderttausende Sport- und Jagdkameraden in Misskredit zu bringen.
    Er wurde, nach meinen Recherchen, bis heute nicht einmal mit einer Waffe bedroht.
    Wie dem auch sei…
    Für ihr unermüdliches Schaffen wünsche ich ihnen weiterhin viel Erfolg.

    Mit freundlichen Grüßen
    Rüdiger Zeh

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.